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Wie Lernen funktioniert und wie Kollaboration dabei hilft


Lernen

Der Mensch ist das einzige Wesen auf der Welt, das sein Gehirn durch Denkprozesse selbständig umformen kann. Durch Denken, Erfahren und Analysieren können wir Verhaltensänderungen hervorrufen. Doch wie geht das angesichts der Tatsache, dass wir Menschen auch Gewohnheitstiere sind, die nichts mehr verabscheuen, als aus ihren gut eingeübten Verhaltensmustern auszubrechen?

 

Lernen vollzieht sich in mehreren Phasen:

 

In den meisten Bereichen menschlicher Fähigkeiten hat jedes Individuum eine unbewusste Inkompetenz; das heißt, wir wissen oder können etwas nicht. Dieses Manko ist uns aber meist gar nicht bewusst, solange wir dieses Wissen oder die Fähigkeiten nicht benötigen.

 

Durch das Scheitern an Aufgaben, durch Feedback oder Kritik von anderen werden jedoch blinde Flecken aufgedeckt: Es wird uns bewusst, dass wir etwas nicht wissen oder können. Diese Phase wird als bewusste Inkompetenz bezeichnet. Hier entscheidet der Wille, ob ich mir etwas aktiv aneignen möchte oder darauf verzichte, weil es mir beispielsweise zu mühsam ist oder ich mir vom neu Erlernten nicht viel verspreche. Dann ist zwar das Bewusstsein über das Fehlende vorhanden, nicht aber die Bereitschaft, daran etwas zu ändern.

 

Ist die Entscheidung für das aktive Aneignen gefallen, beginnt der Erwerb einer bewussten Kompetenz. Das erfordert Aktivitäten: Ich muss mir etwas aneignen, es üben und wiederholen, testweise anwenden und auf neue Situationen transferieren. Oder gar etwas Neues erfinden oder ausdenken. Und dabei sind nicht nur Erfolge zu feiern, sondern auch Rückschläge hinzunehmen. Das ist völlig normal, denn nicht alles klappt auf Anhieb, muss oft geübt und wiederholt werden. Nur dann entsteht im Gehirn die Langzeitpotenzierung (LTP), d.h. die gleiche Kontaktstelle wird wiederholt aktiviert, und zwar mit höherer Frequenz, so dass die Impulse schneller übertragen werden und Gelerntes behalten wird.

 

Der nächste Schritt ist die Habitualisierung: Erst wenn das Gelernte zur Gewohnheit wird, bleibt es erhalten und wird, sobald es automatisiert ist, zur unbewussten Kompetenz, die wir als selbstverständlich empfinden und über die wir nicht mehr nachdenken, so wie das Putzen der Zähne oder Auto fahren.

 

Es stellt sich jedoch die Frage, welche Faktoren Lernen zusätzlich fördern. Können gemeinschaftlich gewonnene Erkenntnisse und Erfahrungen dabei eine positive Rolle spielen?

 

Die Antwort darauf ist ein klares „Ja“. Spätestens in der Phase der bewussten Aneignung oder bei der Entwicklung neuer Ideen profitieren wir enorm von Kollaboration. Vorausgesetzt, sie ist echt. Gerald Hüther, Gründer der Akademie für Potentialentfaltung, sagt: “Wir brauchen Gemeinschaften, deren Mitglieder einander einladen, ermutigen und inspirieren, über sich hinauszuwachsen.” Und weiter: “Das heißt, wir sind nur innerhalb einer Gemeinschaft in der Lage, die in uns angelegten Potentiale zu entfalten. In einer Gemeinschaft, in der wir uns zugehörig, geborgen und sicher fühlen.” [1]

 

Die Möglichkeit, mit anderen gemeinsam eine Herausforderung zu bewältigen, etwas zu schaffen, erhöht die Motivation, trotz Rückschlägen und Misserfolgen nicht aufzugeben. Für die meisten ist in dieser Phase die Ermutigung durch andere Ansporn und Unterstützung zugleich: Ich begreife das Lernen als neue Herausforderung, der ich mich stelle und in die ich Erfahrenes einbeziehe. Kollaboration – richtig verstanden, mit einer Kultur, die ermutigt, inspiriert und anspornt – kann hier Wunder wirken.

 


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